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MENSCHEN MIT ENERGIE

Mann mit Hund

(vom 30.11.2020)

Mantrailing – Teamarbeit der besonderen Art

Mensch mit Hund

Gismo braucht einige Minuten, um sich zu beruhigen. Intensiv untersucht er den Holzstapel und den Wegrand. Schließlich ist dieser Sommertag im September etwas anders: Peter Diez hat das neonfarbene Hundegeschirr zurechtgelegt, auch die lange leuchtend gelbe Leine, und zu guter Letzt das auffällige T-Shirt mit den breiten reflektierenden Streifen übergezogen. Jetzt ist Gismo sicher – es dauert nicht mehr lange und er darf einem Geruch nachspüren. Und bestimmt wird seine Nase ihn am Ende ans Ziel führen. Dann wird er glücklich sein, und Peter ebenso. Mensch und Tier vereint die Leidenschaft des Mantrailings – der Suche nach Menschen.

Peter und seine Kollegen haben während des Arbeitsalltages die Region im Blick. Der Autenhausener arbeitet in der Netzleitstelle der SÜC in der Bamberger Straße. Rund um die Uhr an jedem Tag, an Sonntagen, an Heiligabend oder in der Silvesternacht, überwacht die Netzwarte das Gas- und Wasserleitungsnetz sowie die Stromversorgung. Gibt es Störungen, wie viel Wasser strömt aus dem Wasserwerk in die Haushalte? Auch das Fernwärmenetz in Coburg und manches Leitungsgeflecht benachbarter Gemeinden und Städten wird von der SÜC überwacht und im Fall der Fälle der Störungsdienst benachrichtigt.

Wenn nicht der Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr von Autenhausen ansteht, ist die Freizeit von Peter zu einem beträchtlichen Teil von Gismo ausgefüllt. Der Kleine Münsterländer Rüde liebt es, zu stöbern, zu suchen und zu apportieren. Diese kluge Hunderasse liebt Bewegung und scheut auch vor einem Abenteuer nicht zurück. Gismo jagt hochkonzentriert, nervenstark und ausdauernd. Dabei ist er ein guter Schwimmer.

Das lebhafte Naturell des Hundes überträgt sich ans andere Ende der Hundeleine. Hat Gismo eine Geruchsspur aufgenommen und Peter gewissermaßen im Schlepptau, ist das kein entspanntes und beschauliches Gassigehen. Wenn die immer aufnahmebereite Nase von Gismo die richtige Spur registriert, setzt der Hund seine rund 20 Kilogramm Körpergewicht und ganze Kraft ein. Immer der Nase nach! Einerlei ob ein Bach die Fährte kreuzt, es Hang hinauf oder hinunter geht: Der Vier-Pfoten-Antrieb hat gegenüber dem Zweibeiner klare Vorteile. Die breite leuchtend-gelbe Leine ist stets straff gespannt, Kraft in Fingern und Armen ist nötig, um den quirligen Hund zu halten.

Die Leine ist beim Mantrailing die „Datenleitung“ zwischen Hund und Mensch. Mit dem Geschirr und der langen Leine arbeiten sie bei der Spurensuche zusammen. „Eine Spur verfolgen kann jeder Hund, aber dies auf Kommando bzw. auf ein Signal hin zu tun und noch der richtigen Spur zu folgen, dies fasziniert. Dem Hund muss man nicht beibringen wie er zu suchen hat, sondern wen er suchen soll“, beschreibt Peter die Herausforderung des Mantrailing.

Der Hund bekommt einen Referenzgeruch der zu suchenden Person. Das kann ein getragenes Kleidungsstück sein, der Griff der Autotür oder der Sitz, den der Personensuchhund ausgiebig beschnüffelt. Auch von einer Zigarettenkippe kann der Hund den menschlichen Geruch aufnehmen. „Der Referenzgeruch ist der Auftrag an den Hund.“

Die Leinenführung unterstützt die Suchausdauer und Konzentrationsfähigkeit des Hundes. „Man fühlt und erlebt, wie der Hund arbeitet und umgekehrt.“ Dazu muss der Mensch die Körpersignale seines Hundes beobachten und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Andererseits ist der Hundeführer gefordert, wenn der Hund wegen anderer Gerüche oder eines schwierigen Geländes den Trail nur schwer ausarbeiten kann. „Das Tier erhält Unterstützung, damit es sich möglichst eigenständig wieder auf die Spur zurück arbeiten kann. Dabei wird aber keine Richtung vorgegeben.“ Wenn sich etwa in einer Menschenmenge verschiedene Geruchsspuren überlagern, muss der Hund unterscheiden.“

Drei bis dreieinhalb Jahre dauert es, bis ein Hund zum Mantrailing ausgebildet ist. Dafür muss mindestens einmal pro Woche trainiert werden. Personensuchhunde leben bei der Suche ihr natürliches Verhalten aus und sind artgerecht gefordert.

Nach längstens 30 bis 40 Minuten ist die Suche beendet. Dann kann Peter den fingerlosen Handschuh ablegen, der die Handfläche vor Verletzungen durch die Leine schützt. Denn darauf nimmt Gismo keine Rücksicht, wenn er auf der richtigen Fährte ist.


Vor zwölf Jahren gründete eine Gruppe Hundebesitzer Mantrailing Coburg. Seit 2019 ist es ein eingetragener Verein. „Mantrailing“ bezeichnet die Suche eines Hundes nach einem verschwundenen Menschen anhand dessen individueller Geruchsspur. Der Mensch verliert ständig abgestorbene Hautzellen, Haarschuppen oder Schweiß und jedem menschlichen Körper umgibt eine einzigartige Dunstwolke. Diese Geruchsspur ist genauso einzigartig wie die DNA eines Menschen.

Mitunter rufen Senioren- und Pflegeheime die Mantrailer zu Hilfe, wenn ein Heimbewohner zu suchen ist. Von den aktuell 36 Mitgliedern besitzen 30 einen Hund, elf Tiere sind einsatzbereit. Auch bei offiziellen Vermisstensuchen waren Vereinsmitglieder schon gefordert. Über die privaten Einsätze wird die Polizei stets informiert.

Der Hund nimmt seine Umwelt hauptsächlich über den Geruchssinn wahr. Die Riechschleimhaut hat bei einem Hund eine Fläche von etwa 150 Quadratzentimeter, die menschliche Riechschleimhaut ist etwa fünf Quadratzentimeter groß. 125 bis 250 Millionen Riechzellen hat der Vierbeiner, rund 5 Millionen Riechzellen sind es beim Menschen. Etwa ein Zehntel des Hundehirns sind dem Riechhirn vorbehalten, beim Menschen beträgt dieser Anteil ein Prozent. Weiter kann der Hund kann in kurzen Atemzügen bis zu 300 Mal in der Minute atmen, so werden die Riechzellen ständig mit neuen Geruchspartikeln versorgt. Im Hirn werden diese Daten ständig verarbeitet. Eine weitere Besonderheit der Hundenase ist das differenzierte Riechen zwischen links und rechts. Dies ermöglicht dem Hund die Richtung einer Spur zu beurteilen.

Die Geruchspartikel, die der Mensch hinterlässt wirbeln durch die Luft. Sie gleiten, abhängig von Temperatur, Wind, Umgebungsströmungen, Untergrund und Feuchtigkeit, unterschiedlich schnell zu Boden. Sie fangen sich an Mauern, Hauswände, Bordsteine, Treppen oder Büschen. Deshalb ist eine Geruchsspur nicht identisch mit dem tatsächlichen Weg, den der Mensch gegangen ist.

Mantrailing Coburg e.V., Telefon: 09561 79585 64, Mobil 0152 36313992; E-Mail: info@mantrailing-coburg.de.

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