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FEUCHTE NASEN, FELL UND PFOTEN

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(vom 12.11.2019)

Menschen mit Energie

Die Besuchshundegruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes ist seit fünf Jahren in Senioren- und Pflegeheimen unterwegs.

Heute gibt es wieder Streicheleinheiten, viele Streichel-einheiten. Nala, Luna, Betty und Leila sind an diesem Mittwoch in der Cortendorfer Straße in Coburg zu Besuch. Die Senioren der Visit-Tagespflege und Seniorenclub erwarten die Hunde schon gespannt. Die eine Stunde am Nachmittag wird wie im Flug vergehen. Da wird intensiv geschnüffelt, feuchte Nasen drücken sich in faltige Hände und legen zutraulich eine Pfote auf Beine und Knie, die die Kraft der Vergangenheit verloren haben und nun auf Rollator, Gehstock oder Rollstuhl angewiesen sind.

Reihum gehen die Hunde zu den betagten Menschen, holen sich vorsichtig ein „Leckerli“ ab oder bringen einen geworfenen Ball wieder. Hin und wieder gibt es auch hinter den Lehnsesseln etwas zu entdecken, aber ein kurzes Kommando bringt Nala, Luna, Betty und Leila wieder zum Zweck des Besuchs zurück. Das ist ja auch viel interessanter, denn die Hunde genießen die ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuneigung der älteren Herrschaften. Die Stimmung in dem großen Aufenthaltsraum ist schnell gelöst und Erinnerungen an frühere Tage, auch an den eigenen Hund, werden wach. Zutraulich lässt sich Betty, die schwarze Labrador-Hündin, Ohren und Hals kraulen und beschnüffelt dabei einen Gehstock.

Hunde

Dass Tiere sich auf das Wohlbefinden von Menschen auswirken, ist hinlänglich bekannt. Besonders ältere, behinderte und kranke Menschen reagieren auf den Kontakt sehr positiv. Selbst die bloße Anwesenheit eines Tieres kann nützlich sein. „Das Kraulen des Fells lenkt von alltäglichen Sorgen ab und lässt ein Gefühl der Behaglichkeit und des Trostes aufkommen“, weiß Sandra Lux. Sie arbeitet bei der Visit-Tagespflege. Nebenbei ist sie mit ihrer Hündin Nala bei der Besuchshundegruppe aktiv.

Ins Leben gerufen hat die Besuchshundegruppe des ASB-Kreisverbandes Coburg-Land Renate Gretzbach. Die Neustadterin gründete die Gruppe im Herbst des Jahres 2014. Im darauffolgenden Januar gab es den Startschuss: Fünf Frauchen und Herrchen gingen mit sechs Hunden zu alten Menschen in Pflegeheime. „Zunächst waren es nur die beiden Heime des ASB, in Neustadt bei Coburg und in Sonnefeld. Im Lauf des Jahres kamen weitere Teams hinzu, sodass wir auch das Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt in Neustadt in unser Besuchsprogramm aufnahmen.“ Aktuell umfasst die Besuchshundegruppe 32 Teams aus Tier und Mensch. Im vergangenen Jahr addierten sich die Einsätze auf insgesamt 207 Besuche in Einrichtungen im Landkreis und in der Stadt Coburg. Der Besuchshundedienst ist in den Seniorenheimen begehrt.

Wenn bei alten, kranken Menschen die Sprache beeinträchtigt ist, durch eine Behinderung oder Demenz verwirrt ist, ziehen sich Betroffene oft in sich selbst zurück. Die Hunde erreichen die Menschen auf einer Ebene ohne Worte, die Tiere schenken unvoreingenommen Zuwendung. Oft wird verloren gegangene Kommunikation geweckt, wenn die betagten Menschen versuchen, den Hund mit Namen anzusprechen. „Demente Personen, die sich seit Monaten sprachlich und emotionell nicht mehr geäußert haben, sind beim Besuch der Hunde ‚aufgeblüht’, haben gelächelt, gelacht und in einigen Fällen sogar wieder einige Worte gesprochen.“

Zweimal, höchstens dreimal im Monat kommt jedes Tier aus der Gruppe der Besuchshunde zum Einsatz. Sandra Lux: „Die Hunde besitzen ein feines Gespür für die Situation und haben mitunter richtig Stress.“ Etwa eine Stunde besuchen die Hunde eine Senioreneinrichtung. „Das ist aber auch abhängig davon, wie sich die Tiere an diesem Tag fühlen. Bemerkt der Hundeführer eine Unausgeglichenheit oder Unwohlsein des Hundes bricht er auch vorher den Besuch ab und eine Kollegin springt mit ihrem Hund ein.“

Hund und Hundebesitzer absolvieren vorher einen spielerischen Eignungstest und lernen, worauf sie beim Besuch eines Seniorenheimes achten müssen. Die Tiere müssen dabei zeigen, dass sie alte, gebeugt und langsam gehende Menschen mit Krücken, Menschen, die an Rollatoren gehen oder die im Rollstuhl sitzen, ohne Probleme und ohne Aggression akzeptieren. Ein zuverlässiger Grundgehorsam ist unabdingbar, ebenso wie das Folgen auf die Befehle „Sitz“, „Platz“, „Steh“ und „Hier“. Darüber hinaus stellt ein regelmäßiger Besuch beim Tierarzt sicher, dass der Hund gesund ist und die Senioren nicht gefährdet. Dazu gehören regelmäßige Impfungen des Tieres, Entwurmungen und vorbeugende Behandlungen gegen Parasiten.

Für die Hundebesitzer ist der Besuchsdienst weitaus mehr, als „nur“ das eine Ende der Leine zu halten und den Hund zu beaufsichtigen. Eine soziale Grundeinstellung ohne Helfersyndrom wird ebenso vorausgesetzt wie das Interesse an alten und kranken Menschen. Das erfordert wiederum Belastbarkeit, Ausdauer und Sensibilität. Grundwissen über Infektionskrankheiten, Erste-Hilfe und die Beachtung rechtlicher Vorschriften (Haftpflicht, Datenschutz) sind weitere Anforderungen an die Hundebesitzer.

Die intensive Ausbildung der Besuchshunde zeigt sich bei einigen Übungen, die alle Hunde bei diesem Besuch in der Visit-Tagespflege beherrschen. Da liegt ein „Leckerli“ auf der Pfote oder dem Bein von einem der Senioren einige Fingerbreite von der Hundenase entfernt. Erst auf den entsprechenden Befehl wird das Teil geschnappt oder ganz vorsichtig vom Bein genommen. Wenn Labrador-Hündin Betty den Menschen behutsam einen Handschuh von der Hand zieht, fangen die im Lauf der Jahrzehnte trüb gewordenen Augen wieder zu leuchten an. Die Stunde in der Tagespflege ist allzu schnell wieder vorbei. 

Hunde helfen lesen lernen

Das jüngste Projekt der Besuchshundegruppe des ASB Coburg-Land ist der „Lesehund“. Das gibt es seit dem Frühjahr. Wenn Kinder der ersten Klasse sich mit dem Lesen vor der Klasse schwer tun, hilft der „Lesehund“ Ängste zu überwinden. Dabei sind das Schulkind, Hund und Hundeführer allein in einem gemütlichen abgeschlossenen Raum und das Kind darf dem Hund vorlesen. Geduldig hört das Tier zu. Ziel ist es, den Erstklässlern die Scheu vor dem Lesen an sich und vor dem Lesen vor anderen zu nehmen. Inzwischen reißen sich die Kinder darum, den Besuchshunden vorlesen zu dürfen. Nach den Angaben der Schule, so Renate Gretzbach vom ASB-Besuchshundedienst, habe die Scheu mancher Kinder nachgelassen, vor den Mitschülern zu lesen. Und auch das Lesen gehe flüssiger vonstatten.

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