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Ernst Weitl

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(vom 02.07.2018)

Der „Turnvater“ des TV Ketschendorf. Mindestens einmal im Monat trägt Ernst Weitl ein Hämatom nach Hause. Mal ist es ein blauer Fleck an Händen, Armen oder Oberkörper, „aber auch ein klassisches ‚Veilchen‘ kommt immer mal vor“.

Ernst Weitl trainiert eine Turnerin
Ernst Weitl trainiert seit den 60er-Jahren die Turner des TV Ketschendorf. Bei jeder Übung seiner Athletinnen ist er mit Leib und Seele und voller Energie dabei.

Mindestens einmal im Monat trägt Ernst Weitl ein Hämatom nach Hause. Mal ist es ein blauer Fleck an Händen, Armen oder Oberkörper, „aber auch ein klassisches ‚Veilchen‘ kommt immer mal vor“. Nicht, dass der 80-Jährige sich gestoßen oder gar geprügelt hätte, vielmehr hat er – wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten – die Mädchen und jungen Frauen der Turnerinnen-Leistungsriege des Turnvereins Ketschendorf (TVK) trainiert. „Da passt Eine nicht auf, oder ich stehe etwas zu nah’ dran, und schon ist es passiert!“ 

1964 hat Ernst Weitl an der Turnschule in Frankfurt am Main den Übungsleiterschein abgelegt. Seit dieser Zeit unterweist er Kinder und Jugendliche am Stufenbarren und anderen Turngeräten. Dabei vernachlässigt „der Ernst“, wie er von seinen Turnerinnen gerufen wird und sich mitunter selbst nennt, die eigene Fitness keineswegs. Als Mensch voller Energie hat er zum runden Geburtstag für jedes Lebensjahr einen Liegestütz „gepumpt“. Selbstverständlich am Stück, „obwohl es hart war“.

Dreimal in der Woche sind „der Ernst“ und seine Frau Sylvia in der Turnhalle zu finden. Ohne Unterlass wandern die Augen hinter den Brillengläsern durch die Sporthalle. Nichts und niemand, keine Untätigkeit und keine Kleinigkeit beim Aufbau der Geräte entgeht dem konzentrierten Blick von Ernst Weitl. Kein noch so winziges Detail in den Übungen der Turnerinnen bleibt unbeachtet. Die Arme vor dem Körper verschränkt, lehnt er nahezu unbeweglich am Stufenbarren und verfolgt Aufschwünge, Grätschen und Kopfhaltung. Dabei kann der Beobachter unmittelbar aus den Gesichtszügen des Trainers auf Fehler und Nachlässigkeiten in der Haltung und Ausführung der Übungen rückschließen. Es scheint Weitl Unbehagen zu verursachen, wenn ein Rücken zu gerade ist, Beine nicht exakt geschlossen oder Füße angewinkelt sind. Mindestens ein Zeigefinger ist aber ständig in Aktion, deutet hierhin und dorthin, korrigiert oder gibt die Bewegungsrichtung vor.

„Das gibt im Wettkampf immer Punktabzug“, deutet Ernst Weitl auf die Bilder auf dem Computerbildschirm, die während eines Trainings entstanden sind. „Hier müssten die Schultern einen Zentimeter weiter vorn sein für eine durchgängige Übung“, kann er sich ereifern. Einmal Trainer, immer Trainer.

Ernst Weitl trainiert eine Turnerin
„Menschen können nur dann Leistung bringen, wenn sie Lust zur Leistung haben.“

Wenn die Turnerinnen Fortschritte machen, die Übungen flüssiger, durchgängiger und exakter werden und schließlich am Ende gute Platzierungen bei den Wettkämpfen stehen – daraus zieht Ernst Weitl seit Jahrzehnten die Motivation. Und die Arbeit mit den jungen Leuten hält ihn auch selbst jung.

Gütige Strenge lässt er walten, der Ernst. „Eine Weichboden-Matte dient in einer Turnhalle der sicheren Landung. Eine Couch hingegen ist Symbol für Ausruhen. Wer die Weichboden-Matte zur Couch degradiert, kommt im Geräteturnen nicht voran“, heißt es auf der Internetseite der Leistungsriege der Turnerinnen des TV Ketschendorf. Die Seite verantwortet Ernst Weitl und zitiert weiter Miriam Vogt, Ski-Weltmeisterin in der alpinen Kombination des Jahres 1993: „Menschen können nur dann Leistung bringen, wenn sie auch Lust zur Leistung haben.“

Weitl weiß, dass er seine Schützlinge fordert, aber nicht überfordert. Halbe Sachen gibt es nicht. „Um auf nationaler Ebene erfolgreich zu sein, müsste sechsmal in der Woche trainiert werden. Davon sind wir mit dreimal weit entfernt. Zumal wir keine Halle mit feststehenden Geräten und keine Schnitzelgrube haben.“

Zehn Regeln für das Training und den Wettkampf gibt es in der Leistungsriege des TVK. So sind Smartphones während des Trainings nicht zugelassen. Wer trotzdem online ist, bekommt das Mobiltelefon bis zum nächsten Training entzogen. „Diese Regel haben alle, auch die Eltern, akzeptiert und unterschrieben. Aber es war noch nie nötig!“. Selbstverständlich, so Ernst Weitl, gibt es Ausnahmen. Etwa, wenn ein Turnelement nach langem Training endlich klappt und die Mädels ein Video stolz davon zu Hause zeigen wollen.

Die raue aber herzliche Art kommt an. Erst im vergangenen Jahr gab es für Ernst Weitl eine riesige Überraschung von früheren Turnerinnen und Weggefährten, als er von seiner Frau unter einem Vorwand in eine Gaststätte gelotst worden war. Das angebliche Treffen mit einem befreundeten Ehepaar entpuppte sich als große Feier zum 80. Wiegenfest. „Da waren Turnerinnen dabei, die ich vor 30 Jahren trainiert und seither nie mehr gesehen habe und die heute ganz woanders wohnen“, freut er sich noch immer.

Ernst Weitl trainiert eine Turnerin
Die Arme müssen gestreckt sein.

Sport bestimmt das Leben des drahtigen Mannes. Fußball war es in der Jugendzeit und „mehr nebenbei“ turnte Ernst Weitl. Das Ringen war damals die erste sportliche Heimat, aber das gab Weitl bald wieder auf, um sich im Gewichtheben zu versuchen. Nicht ohne Erfolg: 1958 krönte er seine Gewichtheber-Karriere mit dem deutschen Meistertitel. In diesem Jahr war Ernst Weitl schon zwei Jahre beim Bundesgrenzschutz in Coburg. Dem BGS hatte der gebürtige Niederbayer seinerzeit den Vorzug vor dem Wehrdienst gegeben. Nach vier Jahren zog es ihn in die Versicherungsbranche. „Der Drill war nichts für mich.“

Die damalige Ehefrau brachte Ernst Weitl Anfang der 1960er-Jahre als Übungsleiter zum TVK, „mit dem ich seither auch verheiratet bin“. Allerdings begann diese Verbindung zäh, denn eine Turnerin stürzte bei einer Übung vom Barren und Ernst Weitl konnte nicht eingreifen. Er dachte daran, die Sache hinzuschmeißen, entschloss sich aber, in Frankfurt den Übungsleiterschein zu absolvieren. An die ausgeloste Turnkür zum Abschluss der Ausbildung erinnert er sich noch heute, schließlich zogen er und der Mitabsolvent („wir waren die einzigen Männer des Lehrgangs, neben 24 Frauen“) den Schwebebalken, was absolut kein Gerät ist, an dem Männer turnen. Nach der erfolgreichen Prüfung präsentierten die beiden eine umjubelte Duettkür auf dem Balken.

Neben dem Leben als Übungsleiter und Turnwettkampf-Organisator findet Ernst Weitl seit vielen Jahren tatsächlich noch Zeit, selbst intensiv Sport zu treiben. Nach einem Buch von Leichtathlet Thomas Wessinghage begann Weitl mit dem Training, um mit 49 Jahren beim Berlin-Marathon nach 3 Stunden und 24 Minuten über die Ziellinie zu laufen. Auch den Carl-Escher-Weg ist er schon an einem Tag gegangen, exakt am 29. Juni 1986, als in Mexico das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Argentinien und Deutschland ausgetragen wurde. Immerhin zog sich dieser Rundwanderweg damals 75 Kilometer durch den Landkreis Coburg und an der ehemaligen Zonengrenze entlang. Auch auf dem Mountainbike fühlt sich Ernst Weitl wohl.

Die Zeit für ein Gespräch mit dem Turnfachwart ist schnell vorbei. „Noch was essen und dann wieder in die Sporthalle.“ In den Osterferien haben einige Turnerinnen ein Sondertraining mit Ernst Weitl vereinbart – eventuell inklusive blauer Flecken.

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