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Straßen und Brücken immer im Blick

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(vom 15.11.2018)

Fussmarsch für die Sicherheit

Einmal pro Woche laufen Heino Häfner oder Roman Petryczka durch die Fußgängerzone in Coburg. Für Schaufenster und Auslagen haben sie keinen Blick. Die beiden Mitarbeiter des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs (CEB) sind allwöchentlich für die Sicherheit in den Fußgängerzonen Coburgs unterwegs. Mit Kennerblick machen sie lose Pflastersteine aus, ausgebrochene Fugen oder wackelnde Betonplatten. „Jeder Schaden wird notiert und, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet ist, umgehend repariert“, so der Leiter der Straßen- und Brückenabteilung im CEB, Gerhard Knoch. Auch Verkehrsschildern, Baustellenabsperrungen und der Möblierung gilt die Aufmerksamkeit. „Alles, was die Stadt auf öffentliche Straßen, Wege und Plätze stellt, wird beäugt“, so Roman Petryczka. Die wiederkehrenden Kontrollen erfahren eine lückenlose Dokumentation. „Straßenkontrollen sind auch aus versicherungsrechtlichen Gründen nötig“, stellt Knoch fest. „Wir haben die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Kontrolliert werden alle öffentlichen Straßen, Wege, Plätze sowie Wirtschafts- und Waldwege im Besitz der Stadt in regelmäßigen Abständen. Je größer die Verkehrsbedeutung, desto häufiger sind die Kontrollen.

Mit dem spektakulären Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit vielen Toten und Verletzten im August sind die Inspektionen von Straßenbrücken wieder ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit getreten. Wer macht sich schon Gedanken, wenn er mit dem Auto auf einer Brücke einen Fluss überquert? Der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb kontrolliert ständig alle Brücken im Stadtgebiet und andere „Ingenieurbauwerke“, wie es im Jargon der Fachleute heißt. Das sind Stützmauern oder Schilderbrücken.

Es sind keine spektakulären hohen Brücken oder solche mit einer großen Spannweite, die die Ingenieure des CEB beschäftigen. 68 Brücken sind auf einer Karte des Coburger Stadtgebietes an der Wand im Büro von CEB-Ingenieur Jürgen Stammberger verzeichnet. Davon sind 16 Fußgängerbrücken und zwei Brücken über die ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt im Coburger Osten. Unter die Pflicht zur Überprüfung fallen auch Brücken und Wasserdurchlässe, die als solche dem Laien kaum auffallen. So etwa der Mühlgraben parallel zur Lauter, der nahe der Coburger Stadtautobahn die Rodacher Straße in Neuses unterquert. Dazu gibt es noch viele Wasserdurchlässe von Flutgräben und kleinen Bachläufen. „Das sind oft nur Betonrohre verschiedenen Durchmessers. Aber auch die weisen mit der Zeit Schäden auf oder sind dem immer höheren Verkehrsaufkommen und schweren Fahrzeugen nicht mehr gewachsen“, erklärt Jürgen Stammberger.

Die Kontrolle der Brücken legt detailliert die DIN 1076 fest. Die regelmäßige und fachkundige Prüfung ist umso wichtiger, da die Verkehrsbelastung in den letzten Jahren stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Nach einer Dokumentation des Bundesverkehrsministeriums „ist zu erwarten, dass die Güterverkehrsleistungen auf der Straße bis 2025 nochmals deutlich ansteigen werden“. Charakteristisch für den Brückenbestand in Deutschland sei der überproportional hohe Anteil älterer Bauwerke, die in den alten Bundesländern meist in den Jahren zwischen 1965 bis 1985 errichtet wurden. „Für die Tragfähigkeit der Brücken ist nicht die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern die Tatsache, dass der Anteil des Schwerverkehrs in den letzten Jahren überproportional zugenommen hat und die zulässigen Gesamtgewichte für Lkw sich von 24 Tonnen im Jahr 1956 inzwischen auf maximal 44 Tonnen im kombinierten Verkehr fast verdoppelt haben“, heißt es weiter. Großer Feind der Brücken ist Streusalz. Auftausalz lässt im Lauf der Jahre den Beton zerbröseln und die Bewehrungseisen von Stahlbetonbauten rosten. Die Lebensdauer der sogenannten Brückenkappen – das sind die Bauteile aus Beton beiderseits der Fahrbahn – wird durchschnittlich mit 40 Jahren angenommen.

Mindestens alle sechs Jahre werden Brücken bei der Hauptprüfung sorgfältig begutachtet. Mit speziellen mobilen Gerüsten können die Unterseiten von Brücken erreicht werden. „Die handnahe Prüfung bedeutet, dass dabei mit dem Hammer das Mauerwerk nach losen Stellen abgeklopft wird“, erläutert Jürgen Stammberger. Im dreijährigen Rhythmus erfolgen weitere, weniger umfangreiche Prüfungen und jedes Jahr schaut sich ein Mitarbeiter des CEB die Brücken darüber hinaus genauer an. „Dabei wird kräftig am Geländer gerüttelt und gezogen.“ Nach Hochwasser oder Stürmen finden jeweils Sonderprüfungen statt.

Was schön anzusehen ist, erweist sich in Sachen Verkehrssicherheit nicht immer als optimal. „Fußgängerbrücken und -stege mit einem hölzernen Untergrund sind bei Nässe gefährlich glatt“, weist Gerhard Knoch auf eine besondere, in der Bauart begründete Gefahr hin. Bei manchen Stegen ist daher das Holz gegen rauen Beton ausgetauscht worden, „oder wir setzen ein Dach über die Fußgängerbrücke. Dann bleibt das Holz trocken und hält auch länger“.

Besonderen Aufwand verlangen die beiden Brücken nahe des Coburger Stadtteiles Lützelbuch über die ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt. Diese beiden Brücken hat die Bahn gebaut, sie gehören aber nun der Stadt. „Bei den Hauptuntersuchungen alle sechs Jahre können wir nur nachts arbeiten, um den ICE-Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Dazu muss selbstverständlich die Oberleitung abgeschaltet und der Zugverkehr unterbrochen werden.“ Das macht die Sache richtig teuer und verursacht Kosten von zirka 40.000 Euro pro Brücke.

Kaum anders verhält es sich bei den vielen Schächten in den Straßen, etwa für Rohrleitungen und Fernwärme. Für die Sicherheit hier muss der jeweilige Betreiber sorgen. So offenbarten sich bei einer Routinekontrolle im vergangenen Mai Mängel an der Decke eines Fernwärmeschachtes am Ernstplatz in Coburg. Aus Gründen der Sicherheit wurde diese Stelle umfangreich für den Verkehr gesperrt und eine vorgefertigte neue Schachtdecke eingebaut. Auch ein Fernwärmeschacht mitten auf der Coburger Mohrenkreuzung erwies sich im Sommer dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen und musste erneuert werden.

Sanieren oder neu bauen? Auf diese Frage gibt es noch keine abschließende Antwort bei der Brücke in der Mohrenstraße über die Itz. 1927 wurde diese erste Spannbetonbrücke in Coburg gebaut und ist nun 91 Jahre alt. Bereits im Jahr 2011 ergab eine Brückenprüfung die Note 3,5 auf der vierstufigen Skala.“ Das bedeutet nicht weniger, als dass die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt sind. In der Vergangenheit kam es daher zu einer Tonnagebeschränkung auf maximal 16 Tonnen.

Die Brücken aus jener Zeit erweisen sich mitunter als dauerhafter und massiver als die Bauwerke jüngeren Datums. Filigrane und schlanke Konstruktionen entsprechen dem aktuellen Bautrend, moderne Baustoffe und Verfahren reizen die Statik aus.

Stützmauern und Schilderbrücken sind weitere Tätigkeitsfelder des Entsorgungs- und Baubetriebs. So war die Fußgängerrampe zu den Häusern am Adamiberg oberhalb des Neuen Wegs nach einigen Jahrzehnten aufwändig zu erneuern. So regelmäßig wie Brücken sind auch Schilderbrücken Kontrollen unterworfen. „Diese Metallkonstruktionen mit ihren großen Wegweisertafeln bieten Wind eine große Angriffsfläche. Auch Vibrationen können dort zu losen Bauteilen führen“, weiß Jürgen Stammberger.

Die Hauptverkehrsstraßen in der Stadt kontrolliert der CEB einmal im Monat. Insgesamt summiert sich das Arbeitsgebiet auf rund 200 Kilometer Straßen und weitere 36 Kilometer öffentliche Wald- und Wirtschaftswege. Bei jedem ihrer wöchentlichen Kontrollgänge marschieren Heino Häfner und Roman Petryczka mehr als zwei Kilometer durch die Stadt – vom Ketschentor bis in den Steinweg und von der Morizkirche bis zum Bahnhof.

Noten für den baulichen Zustand

1,0 – 1,4 sehr guter Zustand

Die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks sind gegeben. Unterhaltung erforderlich.

1,5 – 1,9 guter Zustand

Die Standsicherheit und Verkehrssicherheit des Bauwerks sind gegeben. Die Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe kann beeinträchtigt sein.

2,0 – 2,4 befriedigender Zustand

Die Standsicherheit und Verkehrssicherheit des Bauwerks sind gegeben. Die Standsicherheit und/oder Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe können beeinträchtigt sein. Eine Schadensausbreitung ist möglich. Unterhaltung und mittelfristig Instandsetzung erforderlich.

2,5 – 2,9 ausreichender Zustand

Die Standsicherheit des Bauwerks ist gegeben. Die Verkehrssicherheit und Standsicherheit und/oder Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe oder des Bauwerks können beeinträchtigt sein. Laufende Unterhaltung und kurzfristig Instandsetzung erforderlich.

3,0 – 3,4 nicht ausreichender Zustand

Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit des Bauwerks sind beeinträchtigt. Laufende Unterhaltung und eine umgehende Instandsetzung sind erforderlich, ebenso Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder Nutzungseinschränkungen.

3,5 – 4,0 ungenügender Zustand

Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit des Bauwerks sind beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben. Umgehende Instandsetzung bzw. Erneuerung erforderlich. Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder Nutzungseinschränkungen sind sofort erforderlich.

INTERVIEW MIT GERHARD KNOCH (DIPL.-ING. FH)

Mitte August ist die Morandi-Brücke im italienischen Genua eingestürzt. Welche Gedanken hatten Sie als Sie die Nachrichten aus Italien gesehen haben?

Neben dem Schock und der Bestürzung wegen der vielen Todesopfer und Verletzten dieses Unglücks ging mir auch durch den Kopf, „ich möchte nicht derjenige sein, der für die Prüfung der eingestürzten Brücke verantwortlich ist“. In Deutschland wie in Italien gibt es Vorschriften, wie und wie oft solche Bauwerke zu kontrollieren sind. Niemand stellt so ein Bauwerk hin und überlässt es sich selbst.

Kreisen die Gedanken dann auch um die „eigenen“ Bauwerke, beispielsweise die Mohrenbrücke oder die Straßenbrücken an der Südzufahrt?

Das passiert selbstverständlich, das ist so ein Reflex. Aber wir nehmen die vorgeschriebenen Prüfungen unserer Brücken, Stützmauern und Straßen sehr ernst. Daher bin ich bei diesem Thema, was Coburg angeht, sehr beruhigt. Wir mussten aus Gründen der Sicherheit noch nie eine Brücke sperren. Natürlich haben wir manchmal die maximal zulässige Tonnage heruntergesetzt. So bei der Mohrenbrücke. Dort beträgt die Obergrenze aktuell 16 Tonnen.

Achtet der Entsorgungs- und Baubetrieb auch auf die Schächte und Kanäle?

In unseren Straßen sind eine Unmenge Kabel, Rohrleitungen und Schächte vorhanden. Das reicht vom Hausanschluss für Gas, Wasser, Strom, Datenleitung und geht bis hin zur Hauptwasser- und Fernwärmeleitung sowie Abwasserkanal. Jeder Betreiber dieser Leitungen ist verpflichtet, ebenso wie wir, seine Bauwerke zu kontrollieren und gegebenenfalls instand zu setzen. Wenn wir Hinweise auf Schäden an solchen fremden Sachen haben, benachrichtigen wir die Besitzer und drängen auf Reparatur.

Wird man angesichts von insgesamt 68 Brücken, 33 Stützmauern und rund 200 Kilometern Straßen in Coburg jemals fertig mit Reparaturen oder Sanierungen?

Nein. Unterhalt und Wartung sind ein unendliches Arbeitsfeld. Klar ist, Geld und Personal hat man nie genug. Wir müssen mit den Ressourcen auskommen, die wir von der Stadt zugeteilt bekommen. Belastender ist vielmehr, dass die Mitarbeiter des CEB bei den Arbeiten immer öfter beschimpft werden. Straßensperrungen oder Einschränkungen wegen Bauarbeiten machen wir nicht zum Spaß. Dass ordentliche und intakte Straßen nicht über Nacht entstehen, sollte jedem eigentlich klar sein. Dazu kommt noch, dass immer mehr Autofahrer die Schilder ignorieren und trotzdem in die gesperrten Bereiche fahren. Das ist für unsere Arbeiter eine riesige Gefahr. Und solche gedankenlose Zeitgenossen gefährden auch sich selbst. Schließlich sind Baumaschinen im Einsatz, ganz zu schweigen von den offenen Baugruben.

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